Verzeichnis

 

Marx Markus Walter

Synagogaler Name: Menachem
Beruf(e): Zigarrenfabrikant, Kaufmann
Geburtsdatum: 18.04.1901
Geburtsort: Ingenheim
Sterbedatum (Todestag): 11.03.1991
Sterbeort: Rotthalmünster
Begräbnisort: München
Wohnort(e): Hamburg, Luckenwalde, München, Rotthalmünster

Brief der Mutter von Walter: Anna Marx von 13. ?? 1946 aus Montauban (Tarn et Garonne)

Herrn Rabbiner Dr. Neuhaus Frankfurt a/M
Sehr werter Herr!
Ihre w. Adr. einem Glaubensgenossen verdankend, erlaube ich mir, Ihnen folgendes zu unterbreiten. Ich erhielt dieser Tage von meiner Enkelin aus London eine freudige, aufregende Mitteilung, dass Ihr Vater, mein Sohn Walter, nach vielen Jahren der Gefangenschaft in Berlin lebt, sie erhielt von dort eine indirekte Nachricht. Wir lebten in Ingenheim in der Rheinpfalz, meine beiden Söhne Walter und Alfred kamen nach Dachau, von da nach Buchenwalde. Walter kam dann nach Mannovitz, ich hörte nichts mehr von ?????. Von Alfred höre ich überhaupt nichts mehr. Sie können sich w. Herr Docktor denken, in welch unglücklicher Lage ich mich befinde. Schon bald 6 Jahre auf der Wanderung, aber der l. Gott war bei uns. Nun möchte ich Sie höfl. Bitten, Herr Docktor an jüdischer Stelle in Berlin anzufragen. Ich habe nur die Adr.
Walter Marx Berlin Luckenwalde
Nehmen Sie w. Herr meinen Dank entgegen für Ihre Mühe. Sie noch vielmals grüßend verbleibe Ihre Anna Marx Wwe.

(Anmerkung: Alfred Marx wurde in Buchenwald ermordet)

Walter Marx wurde am 18. April 1901 in Ingenheim als Sohn des Metzger Jakob III. Marx und dessen Ehefrau Anna Maria Löb geboren. Hier wuchs er zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Alfred auf. Walter erlernte den Beruf eines Zigarrenmachers.
 
Er heiratete am 25. Juni 1925 in Ingenheim Martha Weil, Tocher von Eugen Weil und Johanna Weill. Am 21. Mai 1927 wurde in Ingenheim Tochter Ellen Henriette Marx, spätere Giorgi, geboren und drei Jahre später am 2. Oktober 1930 der Sohn Herbert Jakob Julius Marx.
 
Die Ehe wurde am 26. April 1932 geschieden.
 
Im Januar 1932 trat Walter, wegen Konkursvergehen (Verschleppung) und Monopolsteuerhinterziehung zu einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die Strafe in der Strafanstalt Zweibrücken an und verbüßte sie bis Oktober 1933. Die Haftentlassung war an ein Heimatverbot gekoppelt.
 
1933 hielt sich Walter in Hamburg, Bonnstraße 3/II auf. Hier wurde er wiederum in Schutzhaft genommen: zuerst im Polizeigefängnis Hütten, dann im KZ Fuhlbütten bis Anfang Juni 33. Jetzt begann für ihn eine lange Zeit der Internierungen:
 
bis 6. September 1936 in Esterwegen, Kreis Hümling, Häftlingsnummer (HN) 545,
dann bis 12. Februar 1937 in Sachsenhausen bei Berlin, HN 545,
 
13.02.1937 – 24. 9. 1938 im KZ Dachau, HN 7848
 
24.02.1937 überstellt nach Stadelheim, Häftlingsnummer 11483
 
28.08.1937 Dachau, Häftlingsnummer: 11483 / 12635
 
23/25.09.1938 – 17. 10. 42 im KZ Buchenwald, HN 8552 später 3190
Am 12.12.1941 wurde er vom Lagerarzt Buchenwald als „arbeits- und einsatzfähig“ beurteilt.
 
21.10.1942 bis 17. 1. 1945 KZ Auschwitz-Monowitz, Häftlingsnummer 68574
 
Walter war während seiner Schutzhaftzeiten meistens den schwersten Kommandos zugeteilt (Bauarbeiten, Tiefbau, Straßenbau, Erdarbeiten und im Steinbruch).
 
Walter Marx war am Schluss seiner langjährigen KZ-Zeit im Lager Monowitz inhaftiert, wo er als Blockältester den Block 26, später den Block 24 (Krätzeblock) unter sich hatte.
 
Im KZ Buna Monowitz wurde er am 03.10.1943 im H(äftlings) K(rankenlager) B(au) Buna (Interne I) einer Laboruntersuchung durch den Lagerarzt unterzogen, da Walter Marx an eitriger Gallenblasenentzündung erkrankt war. (Krankenbau vom 16.3. bis 16.10.1943).
 
Am 17. Januar 1945 wurde Auschwitz und alle seine Nebenlager aufgegeben.
Es folgte auch für Walter bis April 1945 eine Evakuierung mittels eines 700 km langen (Todesmarsch) Fußmarsches vom Nebenlager Monowitz nach Hirschberg in Schlesien, heute Jelenia Góra (HN 68574). Von dort wurde Walter bei der O.T. (Operation Todt) als Schutzhäftling zum Schanzen an der Ostfront in Greifenberg, zwischen Löwenberg und Lauban, eingesetzt.
 
Von hier wurde Walter als angeblicher „Chemiker“ nach Flossenbürg transportiert, kam aber nur noch bis ins KZ Reichenau / Sudetengau, (HN 91711) (Rychnov - CSSR) als Schutzhäftling vom 17. 3. bis zum 8.5.1945.
 
Am 8. Mai 1945 kam die Befreiung durch Partisanen, eigene Kräfte der Insassen und durch sowjetrussische Sicherheitskommissare der roten Armee. Walter verblieb dort bis zum 6. September 1945.
 
Da Walter von den Strapazen ausgelaugt war, (er selbst bezeichnete sich als „lebender Leichnam“) kam er in ein KZ-Krankenlager.
Dennoch hat er sich umgehend der KPÄŒ, (tschechisch und slowakisch Komunistická strana ÄŒeskoslovenska – kommunistische Partei der CSSR) im Sudentengebiet zur Verfügung gestellt und hat diese später auch geführt.
 
In dieser Zeit lernte er wohl seine zweite Ehefrau Gertrud Wabersich, geb. Ullrich, geboren am 25.11.1923, in Reichenau bei Gablonz kennen. Sie war geschieden. Ihren Beruf übte sie als Stenotypistin und Sekretärin aus. Sie selbst schreibt: „Ich bin im Mai 1945 in die kommunistische Partei der Tschechei eingetreten. Herrn Marx lernte ich im Mai oder Juni in Reichenau kennen. Herr Marx hat mich bei der KPC gesehen. Bei der Polizei in Reichenberg war ich in der Personalabteilung, ich habe Krankenschein[e] ausgeschrieben, Krankmeldungen, die Bücherei geführt, Abschriften gefertigt, die Post geschrieben.“
 
Walter und Gertrud kamen nach Luckenwalde, wo Walter ein Großhandelslager des „Revisions- und Wirtschaftsverbandes Brandenburg“ leitete. Dort gründete er auch in Zinna eine „Genossenschaft für Glas- und Bijuterie-Industrie“ (Handwerksbetrieb oder Manufaktur zur Herstellung von Schmuckgegenständen). In dieser Zeit hatte Walter privat und für den Betrieb (wie das damals in der DDR üblich war!) in die eigene Tasche und für das Überleben des Betriebs Sachen und Werte abgezweigt.
Walter wurde diffamiert, sein Name wurde nun mit k (Marks) geschrieben, um jede Verbindung mit dem großen Karl Marx auszuschließen. Walter wurde verhaftet, konnte aber am 18. Februar 1949 aus einem Babelsberger Krankenhaus, wo er unter Bewachung stand, in den Westen fliehen. Den beiden gelang die Flucht, da das Personal des Krankenhauses wohl zu nachlässig und wohl auch korrupt war, wie die Polizei feststellen musste. Aber sie waren nun im Westen angekommen.
 
Walters Mutter Anna Marx, geb. Löb, die sich in Frankreich in Montauban (Tain & Garonne) aufhielt, suchte mit Hilfe des Frankfurter Rabbiners Dr. Neuhaus nach ihrem Walter. Sie war nach der Verhaftung ihres Sohnes nach Berlin ins Altersheim in der Iranischenstr.3 gezogen.
 
1947 fanden Mutter und Sohn wieder zueinander und Anna wohnte bei ihrem Sohn Walter in Luckenwalde, Dahmer Straße 1.  
 
Seit dem 14. April 1949 sind Gertrud und Walter in München in der Lindenschmitstraße 45/II gemeldet, wo er ab 1950 ein Geschäft „Walter Marx – Textil en gros“ führte.
Später finden wir sie in der Mittererstraße 6, um 1957 in der Schwanthalerstraße 86 und 1974 in der Kaskadenstraße 147i wieder.
 
Walter starb am 11. März 1991 im Alter von fast 90 Jahren in Rotthalmünster.
Seine Ehefrau Gertrud überlebte ihn noch im einige Jahre in Rotthalmünster in der Wittelsbacherstraße 10 wohnend. Sie starb am 3. September 2020 im hohen Alter von fast 97 Jahren in Rotthalmünster.

Dank an Detlev Riemer für weitreichende Informationen

 

Verwandtschaft

Ehemann von: Marx Martha
2. Ehemann von: Marx Gertraud Antonia
Sohn von: Marx Anna Maria
Sohn von: Marx Jakob III.
Bruder von: Marx Alfred

Haus

Bewohner/in: Hauptstraße 12