Rachel Tochter des Lipman
Gestorben und begraben 1765/66.
Hochrechteckige, üppig verzierte Stele mit Rundbogenabschluss. Der breite Rahmen des Bogens mit Volutenranken verziert, mittig durchbrochen von einer fünfzackigen Krone, aus der zwei Blumen entspringen, darunter die Einleitungsformel. Unter dem Bogenrund horizontale Leiste, das schmaler werdende Schriftfeld seitlich von rankengeschmückten Pilastern mit mehrfach gegliederten Kapitellen auf ebenfalls mehrfach gegliederten Basen mit je einer Blüte begrenzt. Schrift erhaben.
Teilweise starke Verwitterung im Schriftfeld, Buchstaben zum Teil vollständig abgerieben.
Z. 6: Das א könnte für אלוף stehen, also: Tochter des Vornehmen.
Z. 7: ב"צ, Bergzabern.
Z. 8: ג"ח, גמילות חסדים, „Erweis von Liebeswerk“, umfasst die tätige Nächstenliebe wie Krankenbesuch, Stützung Trauernder und alle Verrichtungen rund um die Bestattung (zu diesem Begriff siehe die Inschrift S 016).
Z. 9: צדקה, „Wohltätigkeit“, bezeichnet vor allem die finanzielle Fürsorge.
Z. 10: ת"ח, תלמידי חכמים, „Schüler der Weisen“, Gelehrte.
Z. 11/12: שבקה חיי', ließ das/ihr Leben, siehe bBer 61b, eine seltene Wendung, auf dem Ingenheimer Friedhof vielleicht nur hier verwendet.
Z. 12/13: לחיי עד, „zum ewigen Leben“, über עד zu Beginn von Z. 13 ein Abkürzungszeichen. Die Zahlenwerte der beiden Buchstaben ergeben 74 – vielleicht ist auf diese Weise das Alter der Verstorbenen angegeben.
Reim auf -et in Z. 8, 9, 12 und 13, eventuell auch auf -ka in Z. 9 und 11.
Abkürzungszeichen: Striche, Tilde.
Ein durch Gestaltung und Inschrift herausgehobenes Grabmal. Es zählt zu der kleinen Gruppe üppig barock geschmückter Steine auf dem Ingenheimer Friedhof, die sich fast alle den Gemeinden Bergzabern oder Billigheim zuordnen lassen. Die Inschrift für eine Frau (Rachel?) aus Bergzabern betont ihr mildtätiges Wirken – sowohl mit aktivem „Liebeswerk“ als auch durch pekuniäre „Wohltätigkeit“ – und hebt ihre Unterstützung „der Schüler der Weisen“, der Gelehrten, besonders hervor.